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Die neuen Leiden des jungen Magnus. Menschen in Grenzsituationen (Autor Magnus Gunnarson)

Seit Oktober 1994 hatte ich eine paranoide Psychose, von der ich und meine Umwelt allerdings nichts wussten. Ich kam spontan auf die Wahn-Idee mit dem Zug nach Lourdes zu fahren. Auf der Fahrt nach Lourdes hatte ich einerseits starke Gefühlsausbrüche, andererseits hatte ich Schwierigkeiten, nach Lourdes zu gelangen, da ich wegen der Psychose Anschlusszüge verpasste, deswegen neue Tickets lösen musste und auch mehrmals umsteigen musste. Es war schon ein Wunder, dass ich es überhaupt bis Lourdes geschafft hatte. Aufgrund meiner Psychose gelang es mir erst nach einigen Stunden das Bahnhofsgebäude zu verlassen. So suchte ich mir dann ein Hotel. Als die paranoiden Schübe überhand nahmen, trommelte ich gegen die Türen der anderen Hotelgäste und verlangte von den Gästen, mich zur Grotte zu bringen und dort zu erschlagen, das war laut den Stimmen die letzte Möglichkeit in den Himmel zu gelangen. Daraufhin wurde ich aus dem Hotel geworfen und meine Odyssee begann. Ich verbrachte viel Zeit auf Parkbänken, wo ich unter anderem von einem Schwulen belästigt wurde (er zeigte mir ein Kondom). Ich besuchte einige male die Grotte, wusste aber nicht mehr, wie ich dahin kam. Einmal war ich mitten in der Nacht auf dem Weg von der Grotte und sah über Stunden eine Himmelsleiter (goldene Stufen ohne Geländer). Irgendwie kam ich wieder zum Bahnhof. Von dort gelangte ich zu einem großen Platz vor einer Kirche. Auf diesem Platz wurde ich von massiven Halluzinationen heimgesucht (ich selbst sah, wie ein schwerer Eichensarg von mir selbst auf mich zu geschleppt wurde) und ich betrat zum Schutz die Kirche. Dort durchlebte ich während eines Gottesdienstes an einem Seitenaltar einen Suizid Versuch. Durch die herbeigeholten Sanitäter gelangte ich in die Klinik von Lourdes, wo Sie allerdings nicht meinen Geisteszustand erkannten und mich wieder entließen. Da die Stimmen mir verboten, nochmals zum Bahnhof zu gehen, kam ich auf die Wahn-Idee, zu Fuß zum nächsten Ort mit Bahnhof zu laufen. Unter massivsten Halluzinationen ging ich ein paar Tage am Straßenrand entlang, bis ich auf die Idee kam, ein Auto zu stoppen. Prompt hielt ein Polizeiauto. Ich hatte die Wahn-Idee, auf meine Gedanken hin den Oberdämon gerufen zu haben, sie nahmen mich mit und brachten mich nach Lannemezan in eine Nervenklinik. Dort hatte ich immer wieder die Idee, in der Hölle zu sein. Dann bat die Leiterin mich, meine Telefonnummer ganz groß aufzuschreiben und rief anschließend meinen Bruder an, der gerade zu Hause war. So erfuhr er, dass ich in einer Nervenklinik war. Es wurde mein Rückflug nach Deutschland in die Wege geleitet. Im Anschluss wurde ich in die Nervenklinik nach Günzburg verlegt, wo ich sehr starke Mittel bekam, durch die ich zwar keine Halluzinationen mehr hatte, aber derart krasse Nebenwirkungen entwickelte. Irgendwann war der stationäre Aufenthalt zu Ende und ich bekam regelmäßige Ambulanz-Termine. Meine Angehörigen waren heilfroh, dass ich wieder zu Hause war. In dieser Zeit hatte ich immer wieder Halluzinationen und wechselnde Anti-Psychotika und ich verdanke es Gott und der Gottesmutter Maria, die mich heil heim geführt haben. Amen.